Das Alter als Gestaltungsraum verstehen

Der Aargauer Schriftsteller Christian Haller sprach an der Informationsveranstaltung mit dem Titel 'Neugierig bleiben - Kreative Lernformen in jedem Alter' anlässlich des 'Tags der älteren Menschen' über die neuen Herausforderungen des Alters.

Keinerlei Verpflichtungen mehr haben. Frei sein. Den Lebensabend geniessen. Das Alter lockt mit vielen Vorzügen. Oder wie es der Aargauer Schriftsteller Christian Haller in seinem Inputreferat beschreibt: 'Für jemanden, der aus dem Berufsalltag ausscheidet, sieht das Alter zunächst wie die Suite eines SPA-Hotels aus.'

Doch so paradiesisch leicht lebt es sich im Alter trotzdem nicht. Diese Erfahrung hat auch der mittlerweile 73 Jahre alte Christian Haller gemacht. 'Die freie Verfügbarkeit der Zeit, auf die man sich doch so sehr gefreut hat, kann eine Last sein: Niemand sagt, was man zu tun hat, keiner gibt einen Zeitplan vor, an den man sich halten könnte. Und die Langeweile ist ein unangenehmer Begleiter', sagt der in Brugg geborene Schriftsteller.

Neue Herausforderungen warten
Erfrischend offen und ehrlich spricht Haller anlässlich der Informationsveranstaltung 'Neugierig bleiben - Kreative Lernformen in jedem Alter', die von der Pro Senectute Aargau in Zusammenarbeit mit den Aargauer Landeskirchen, dem Departement Gesundheit und Soziales und Careum Weiterbildung organisiert wurde, über seine persönlichen Erfahrungen mit dem Altern. Der Träger des letztjährigen Kunstpreises des Kantons Aargau erzählt von der Herausforderung, dem Alltag wieder eine Struktur zu geben, von der Schwierigkeit, sich dem Zwang, um jeden Preis 'jugendlich und aktiv zu bleiben' zu entziehen, und von der Tatsache, dass die eigenen Tage bald gezählt sind.

Was nach dem Referat von Christian Haller bleibt, ist die Gewissheit, dass das Alter garantiert viele schöne Stunden bereithält, aber in der heutigen Zeit auch mit vielen neuen Herausforderungen verbunden ist. Dazu sagt Haller: 'In meiner Kindheit war 'Alter' noch ein klarer Begriff. Er bezeichnete schwarzgekleidete Leute, die auf einem Bänklein sassen und dem Verkehr zusahen. Heute ist das anders. Alter ist eine subjektive Empfindung. Man fühlt sich oder glaubt sich alt.'

Kurzweilige Podiumsdiskussion
Nach dem Referat und einem kurzen musikalischen Intermezzo von Rene Dublanc, der das Publikum zum Singen und Musizieren brachte, fand eine von SRF-1-Radiomoderator Christian Zeugin geleitete Diskussionsrunde statt. Zeugin griff im Gespräch mit seinen Gästen Christian Haller, Professor Jürg Kesselring, Chefarzt der Neurologie und Neurorehabilitation der Kliniken Valens, und Silvia Vogt, Kursleiterin der Pro Senectute Aargau, die zuvor von Haller angesprochenen Themen auf. In der kurzweiligen Diskussion haben die Podiumsgäste dem Publikum trotz des an sich ernsthaften Themas immer wieder ein Lachen entlocken können. Jürg Kesselring brachte die Diskussion mit folgender Aussage auf den Punkt: 'Entscheidend ist, dass man das Alter als Gestaltungsraum versteht. Dafür soll man aus den vorhandenen Möglichkeiten und den sozialen Kontakten das Beste herausholen und neugierig bleiben.'

Informative Marktstände
Vor und nach der Informationsveranstaltung konnten die rund 350 Besucher im Kultur- und Kongresshaus in Aarau die zahlreichen Marktstände besuchen und sich bei den ausstellenden Aargauer Organisationen über Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten im Alter informieren. Mit dabei waren neben den Veranstaltern des Informationsanlasses unter anderem die Apotheker- und Drogistenverbände, die Alzheimervereinigung, das Schweizerische Rote Kreuz, die Spitex und die Suchtprävention. Sie alle trugen ihren Teil zu einem gelungenen Anlass rund um das Thema 'Neugierig bleiben im Alter' bei.

Weitere Informationen
Broschüre: Tipps für ein gesundes Gehirn
www.hirnliga.ch / Publikationen

3. Oktober 2016


Impressionen der Veranstaltung
«Neugierig bleiben - kreative Lernformen in jedem Alter»
vom 1. Oktober 2016
im Kultur und Kongresshaus Aarau

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